Blickwinkel

Seit jeher beschäftigt sich der Mensch mit den Möglichkeiten seine Gesundheit zu erhalten und Krankheiten zu behandeln. Der Medizin (Lehre der Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Krankheiten und Verletzungen bei Mensch und Tier) stehen hierfür auch die Erkenntnisse und Produkte der Pharmazie (Arzneimittel) und der Ernährungsmedizin zur Verfügung.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich die Forschung in diesen Bereichen, abhängig vom jeweils geltenden Welt- und Menschenbild, ständig gewandelt und neu ausgerichtet. Heute werden biologische Prozesse kausal betrachtet. Das Nichtfunktionieren von Funktionen wird systematisch erforscht: Die normale Funktionsweise wird erkannt und dann der Baustein der die Störung verursacht herauskristallisiert, um repariert oder ersetzt zu werden. Dieser systematische Ansatz hat sich als erfolgreich erwiesen; die moderne Medizin ist in der Lage, bei vielen gesundheitlichen Problemen heilend oder lindernd zu intervenieren. Auf diese Weise sind viele Arzneimittel entstanden, die zu beachtlichen Erfolgen führen können, ohne die manches Todesurteil fest stünde und in vielen Fällen keine Linderung in Sicht wäre.

Für Arzneimittel charakteristisch ist jedoch, dass Nebenwirkungen auftreten können. Denn regelmäßig wird der Ansatz verfolgt, dem Organismus eine Substanz zuzuführen, die in die genetisch vorgegebenen und evolutionsbiologisch entstandenen Funktionen eingreift und diese im Idealfall so steuert, dass ein gewünschtes Ziel (die Genesung) erreicht wird. Doch der Eingriff in komplexe Systeme wie den menschlichen oder tierischen Organismus kann auch zu unerwünschten Veränderungen im Gesamtzusammenhang der Körperfunktionen führen. Mehrheitlich können wirksame pharmazeutische Produkte dem komplexen Anspruch der biologischen Prozesse nicht in der Art gerecht werden, wie sie es müssten, um nebenwirkungsfrei zu funktionieren ohne ihre spezifische Wirksamkeit zu verlieren. Gerechtfertigt ist die Inkaufnahme dieser Nebenwirkungen immer dann, wenn das Ausmaß der Störung schwerwiegendere Konsequenzen hat als die Nebenwirkung.

Die Ernährungsmedizin geht einen anderen Weg und beschäftigt sich mit der Erforschung ernährungsphysiologischer Erkenntnisse, der Entwicklung ernährungstherapeutischer Anwendungen und der Etablierung dieser Erkenntnisse in allen Teilgebieten der Medizin. Dabei wird Ernährung einerseits als Versorgung des Gesunden bzw. Patienten, anderseits auch als Ernährungsintervention, also therapeutischer Eingriff, verstanden (Wikipedia; Ernährungsmedizin).

Der Unterschied zu Arzneimitteln ist, dass sich der Organismus derjenigen Stoffe bedient, die in der Nahrung enthalten sind, um seine Funktionen zu erhalten, während Arzneimittel von außen in die Funktionen des Organismus eingreifen und in diesen etwas veranlassen.

Seit etwa 160.000 Jahren existiert der „moderne Mensche“ (homo sapiens), seine Spuren reichen in der Evolution jedoch 6 – 7 Millionen Jahre zurück. Eine lange Zeit, in der die Evolution den menschlichen Organismus immer wieder an die Lebensumstände angepasst hat.

So hat der menschliche Organismus Funktionen gebildet, die bakterielle und virale Angriffe abwehren (Immunsystem), die Energieversorgung des Organismus sicherstellen (Verdauung, Glykolyse, Citratzyklus, Zellatmung) oder Zellschäden (Verletzungen, Vergiftungen, normale Alterung) reparieren. Allen diesen Funktionen ist gemein, dass sie eine reibungslose Zellteilung voraussetzen, deren Effektivität wiederum vom Alter, vom Allgemeinzustand und von den Umweltbedingungen abhängt. Dabei hat die Evolution die Funktionsfähigkeit dieser Systeme auch an Zeiten der Mangelversorgung angepasst. So funktionieren Organismen auch bei Unter- oder Schlechtversorgung noch leidlich. Je besser jedoch die Versorgung mit Nährstoffen ist, desto leistungsfähiger werden auch die Organismen und ihre Systeme.

Dies gilt nicht nur für den menschlichen Organismus, sondern auch für tierische Organismen.

Obwohl der Organismus darauf programmiert ist, Krankheitserreger abzuwehren, Wunden zu schließen und Vergiftungen zu überleben, hat sich in vielen Menschen ein Misstrauen in diese Fähigkeiten des eigenen Organismus eingebürgert. Daraus resultiert vielfach eine Gläubigkeit an die Heilsbringung der Pharmazie, auch wenn dies gar nicht in jedem Falle angebracht ist. Antibiotika z.B., deren Entdeckung 1893 eine der wichtigsten pharmazeutischen Errungenschaften der Menschheit ist und deren Siegeszug in der Medizin 1942 mit Penicellin begann, werden generell zu häufig und oftmals falsch eingesetzt. Vielfach gibt der behandelnde Arzt dem drängen der Patienten auf Antibiotikagabe zu schnell nach. Regelmäßig wird die Einnahme von Antibiotika zu früh abgebrochen, wenn sich erste Anzeichen der Besserung zeigen. Hierdurch können Resistenzen entstehen. Doch ob richtig oder falsch eingesetzt: Antibiotika schädigen die Darmflora und schwächen damit das Immunsystem nachhaltig.

Gegen Virusinfektionen hat die moderne Pharmazie bislang kein verträgliches Produkt hervorbringen können; hier ist der Organismus i.d.R. auf sich selbst gestellt und auf ein perfektes Funktionieren seiner Systeme angewiesen. Trotzdem werden auch Erkältungen und Grippeerkrankungen heute mit einer Vielzahl von Mitteln bekämpft, die allerdings nur Symptome mildern können. Die Gesundung wird jedoch ausschließlich vom Organismus geleistet.

Wir plädieren für den verantwortungsvollen Einsatz von Medikamenten, um deren Wirksamkeit auch für folgende Generationen zu erhalten.

Im Sinne dieser Verantwortung sind wir der Auffassung, dass sich die Erkenntnisse aus Throphologie und Pharmazie hervorragend ergänzen und nur in einem Zusammenspiel zum Gewinn der Menschheit nutzen lassen. Alle anderen Versuche, entweder den Organismus nur über die Ernährung zu unterstützen oder nur über Arzneimittel auf den Organismus einzuwirken sind entweder ideologisch oder finanziell motiviert und führen über kurz oder lang zu einem Schaden für die Gesellschaft.